Montag, 5. September 2016

Mantrailing - Seminar: Personensuche mit Border Terrier Charly

Mein Zweibeiner ist noch immer fasziniert über die Hundenase und hat sich für ein Seminar angmeldet. Scheinbar darf ich mit und hoffentlich ist dies nicht so ein langweiliges Gehorch-Dings. Herrchen treffe sich Sonntagabend noch mit anderen Zweibeinern und legt schon die lange Leine, das Geschirr mit Aufdruck "Such-Hund", Geruchsartikel und ordentlich Futter bereit.

An dieser Stelle bedanke ich mich bei Christiane und Konrad Ostermeier aus München für die Durchführung sowie Sarah Hirschi und Caro Höfer vom Agilitypoint für die Organisation. Mein Herrchen hat echt viel gelernt.

Einführung Mantrailing

In einer angeschriebenen Hütte in Uetendorf treffen sich die Zweibeiner. Christiane und Konrad Ostermeier haben ihre Spielzeuge bereitgelegt und zeigen Bilder an der Wand. Mein Herrchen lernte viel und hätte mit dem Hinterteil gewackelt, wenn er dies könnte. Habe ein paar Zeilen von Herrchens Notizen abgeschrieben.

Spuren

  • Je Minute verliert ein Mensch rund 40'000 Hautzellen. Bei Kleinkinder ist dies deutlich geringer, daher ist dies für die Hundenase auch schwieriger. Ältere Menschen oder Menschen mit Medikamenten sind für Hundenasen ebenfalls schwieriger zu erfassen.
  • Die idealsten Spuren entstehen bei 20 Grad und mit etwas Feuchtigkeit. Dies ist Bakterienfreundliches Klima und die Bakterien wandeln Hautzellen in Gase um, dies ist der Geruch für Hundenasen. Deshalb sind neu gelegte Spuren auch schwieriger als ca eine Stunde später.
  • Spuren können verfolgt werden, auch wenn die Zweibeiner zu Fuss, auf dem Rad, im Rollstuhl oder auf dem Pferd unterwegs sind.
  • Eine Spur kann bis zu einer Woche alt sein, es wurden auch schon zweiwöchige Spuren verfolgt.
  • Führt eine Spur durch ein Gebiet mit sehr starken Gerüchen, beispielsweise eine Tankstelle mit Benzindampf, sollte dies mit dem Hund "umschifft" und danach wieder auf die Spur angesetzt werden.

Geruchsartikel

  • Gerade für neue Mantrailing-Hunde sollten Geruchsartikel verwendet werden, die möglichst gross (T-Shirt, Pullover, ...), frisch getragen und von der oberen Körperhälfte sind.
  • Der Geruchsartikel sollte nicht durch eine andere Person angefasst werden.
  • Trainierte Hunde können den Geruch von deutlich kleineren Gegenständen oder sogar vom Griff einer Autotür abnehmen.
  • Dies würde sogar mit Körperflüssigkeiten (Schweiss, Blut, Urin, ...) funktionieren. Herrchen meint, dass wir dies nicht üben werden. :-)
  • Mit einer Gaze aus der Apotheke könnte sogar eine Geruchskopie erstellt werden.

Ansetzen vom Hund

  • Der Geruchsartikel kann in einem Beutel, in einem Glas oder mit einer (Korn)Zange präsentiert werden. Empfohlen ist den Geruchsgegenstand auf den Boden zu legen und im Idealfall geht der Hund freiwillig hin. Die Tüte über die Nase oder sogar über den Kopf zu ziehen finden Hunde nicht toll und ist überholt.
  • Das Ansetzen soll konzentriert und ruhig erfolgen. Der Hund darf auch vorher die Umgebung erschnüffeln oder allfällige Begleitpersonen, damit können schon ein paar Gerüche differenziert werden.

Anzeigeverhalten

Das Anzeigen der gefundenen Person kann durch anspringen oder verbellen erfolgen. Empfohlen ist das Vorsitzen, dies ist angenehmer für die gefundene Person.

Hunde-Such-Team

  • Die Versteckperson liefert den Geruchsartikel und nimmt das Futter (Wurst, Parfait, ...) für die Bestätigung mit ins Versteck. Bei trainierten Teams bringt dies der Hundeführer gleich mit.
  • Der Hundeführer setzt den Hund an, führt ihn und zu Beginn kämpft er mit dem Leinenhandling (gell Herrchen). :-)
  • Die Hilfsperson nimmt den Geruchsartikel nach dem Ansetzen mit, überwacht den Verkehr und schirmt das Team gegen allfällige freilaufende Hunde ab.

Ausrüstung

  • Leine mit einer Länge von 7 bis 10 Meter (Koni Ostermeier empfiehlt eine farblich auffällige Leine, da Suchaufträge in einer Ortschaft durch viele Passanten führen kann).
  • Geschirr für den Hund
  • Viel Wasser ist nach der intensiven Nasenarbeit sehr wichtig.
  • Super-Futter zur Belohnung (5-6 Portionen an einem Seminartag)
  • Verschiedene Gerüche in Beutel verpackt. Bei Anfänger werden zusätzliche Artikel benötigt, um am Boden zu schleifen und eine Spur zu legen.

Diese Disziplin heisst zwar Mantrailing, aber so könnten auch verlorene Tiere oder verletztes Wild gesucht werden. 

Ausserdem hat die Grösse des Hundes einmal mehr keinen Einluss auf die (Such)leistung. In unserem Seminar hat der Papillonhund "B52" die Suchaufträge hervorragend gemeistert und von mir waren die Zweibeiner auch begeistert (Herrchen sowieso). Der Altmeister "Greg der Beagel" macht es allen vor und war weitaus nicht der grösste Hund.

Die erste Suche am Mantrailing-Seminar

Eeeendlich holt mich Herrchen aus der Box, zieht mir das Suchhunde-Geschirr an und hängt die lange Leine am Halsband ein. Nun führt er mich zum Start und ich darf alle Teilnehmende ordentlich beschnuppern. Herrchen gibt der Versteckperson Petra eine kleine Plastikbox mit Wurst *niam*.

Border Terrier Charly wartet auf den Einsatz

Petra kreist den Geruchsartikel auf dem Boden und zieht diesen hinter sich her ins Versteck. Dies durfte ich leider nicht sehen und musste für das lustige Versteckspiel wegschauen. Christiane legt den Beutel mit dem Geruchsartikel mitten in den Kreis und legt drei Trockenleckerchen darauf.
Nun wechselt Herrchen die Leine ans Suchgeschirr und die nette Frau zeigt auf den Beutel mit den Leckerchen. Fressen ist immer toll - los gehts!
Mmmmh - dies riecht doch nach Petra und sie hat doch meine Würste. Haaallooo! Wo bist Du? Na warte, ich find dich schon ... schüffel, schnüffel - aha hier ist sie lang. Los Herrchen, die holen wir uns! Und schon ziehen wir los - schnüffel , schnüffel ... Hier wird es schwächer, ahh hier geht es um die Ecke und schon haben wir sie erwischt. Ohhh - diese Petra hat aber grosse Freude, sie jubelt und füttert mir genüsslich die Wurststücke einzeln. Das ist aber ein lustiges Versteckspiel! Und ich darf dies gleich nochmals spielen! *wedel, wedel*

Leinenhandling

Kurz nach der Mittagspause spielten die Zweibeiner mit der langen Leine und übten das Handling. Zu Beginn kann Hund fast nicht hinschauen. Ob das gut kommt?
Die Führungshand lässt die Leine durch die Hand gleiten und in der anderen Hand wird die Leine jeweils nachgegeben oder aufgewickelt. Die Führungshand sorgt für einen leichten Zug an der Leine, damit die Kommunikation zwischen Hund und Mensch gewährleistet ist.

Erste Trails in Wald und Wohngebiet

Am Nachmittag wiederholten wir das lustige Spiel im Wald und zwischen den Wohnhäuser. Hier musste ich den Geruch schon etwas mehr suchen. Die Geruchspartikel werden beispielsweise vom Wind verweht, vom Wasser oder Schatten angezogen und bei heissem Untergrund (Asphalt) kann der Geruch steigen oder wird von der Thermik weiter getragen. Meistens durfte ich Petra und Sven suchen, die Beiden haben echt ein Problem - die gehen dauernd verloren und zum Glück ist immer eine Hundenase zur Stelle. :-)

Uhhhh - dieses Spiel macht ganz schön müde, ab ins Körbchen.

Charly ist um :-)


In den folgenden Tagen wurden die Trails länger, die Verstecke lustiger, die Ablenkungen grösser und ich durfte mehr Kreuzungen untersuchen. Ein Spur führt sogar durch eine Einstellhalle und bei einer Tür hinaus.

Freund Hootch bei der Arbeit

Hootch findet die verlorene Person

Freundin Sira bei der Arbeit

Ist da was?
Am Dritten Tag wurden auch die Geruchsartikel kleiner, nur der Spass wurde unten und oben an der Leine grösser (siehe das folgende Video von einem kurzen Trail, 3. Tag).


Frei-Suche

Mittags ist es sehr heiss geworden und wir wechselten in den Wald. Hier durfte ich etwas sehr lustiges machen, die Frei-Suche.
Die nette Andrea hinterliess mir ein Taschentuch als Geruch und spazierte ins Dickicht. Ich dachte schon, dass sie nicht mehr zurück findet. Zweibeiner im Dickicht kann ich nicht gut kommen und Hund hilft da gerne weiter. "Ich bin bereit", tönt es durch die Funkleine. "Ok, wir schicken den Hund.", ist die Antwort. Herrchen mach schon - ich will los *wedel, wedel*
Christiane legt den Geruch auf den Boden und Herrchen macht mich los. Rasch am Geruch schnuppern und schon gehts alleine ohne Leine los. Endlich bestimme ich das Tempo selber und zische los, ab durch den Wald und schon habe ich Andrea gefunden. Ohhh - die kann sich auch ganz schön freuen und füttert mich sogar. Die Mantrailer sind eine ganz tolle Truppe.

Dies war eine tolle und intensive Woche für die Zweibeiner und uns Hunde. Aber es hat mächtig Spass gemacht und wir freuen uns schon auf die Treffen mit der Mantrailing-Gruppe und das erneute Seminar im kommenden Jahr. Vielleicht darf ich da schon bei den Fortgeschrittenen starten. :-)

Schnüffelt gut und bis bald,
Border Terrier Charly

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